Scheibchen Schlau

Blutzuckerwert und Fieber messen oder den Reifegrad von Obst bestimmen, kratzfrei knicken und dreidimensionale Bilder erzeugen: Was Smartphone-Displays künftig können.

Doktor im Display

5,4 Millimol pro Liter: Ein passabler Blutzuckerwert, so kurz nach dem Aufstehen. Ermittelt per Haut-Scan statt durch klassisches Piksen, gemessen und abgelesen vom Smartphone. Wie das funktioniert? Mit transparenten Sensoren im gläsernen Display, die das Smartphone zur medizinischen Mini- Praxis aufrüsten – die Körpertemperatur lässt sich so ebenso bestimmen wie ein Blick in die DNA werfen. Oder im Supermarkt prüfen, welcher der angebotenen Äpfel länger frisch bleibt. 

Möglich machen das laut US-Glasproduzent Corning transparente Sensoren, die sich in Schichten in das Displayglas eines Smartphones einbetten lassen. Dafür verwenden die Forscher einen Laser, um regelrecht Wege im Glas zu zeichnen oder zu schreiben. Diese Wege, so genannte Wellenleiter, agieren wie Metalldrähte in der Elektronik und leiten das Licht innerhalb des Glases. Die Messfühler sind transparent und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. 

Ob der Sensortyp die Körpertemperatur misst oder den Wert des Blutzuckers ermitteln soll, hängt davon ab, wie die Wellenleiter auf der Glasoberfläche gezeichnet sind.

Kannste knicken

Falten, rollen, knicken: Smartphones lassen sich künftig auch grobe Handgriffe klaglos gefallen – das erste faltbare Smartphone könnte  noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Möglich machen die Widerstandsfähigkeit sogenannte OLED-Bildschirme, die sich – anders als herkömmliche LCD-Displays, die aus mehreren Lagen Glas bestehen – auch aus Kunststoff herstellen lassen. Zur großen Freude der Designer: Die knickbaren Bildschirme werden ihnen in absehbarer Zeit wieder eine Flexibilität bei der Gerätegestaltung zurückgeben, wie es sie seit dem Ende der Klapp- und Schiebe-Telefone aus der Vor-Smartphone-Ära nicht mehr gab.

Dritte Dimension

Er ist nicht nur biegsam, sondern kann auch noch 3D: „HoloFlex“ haben die Forscher des Human Media Lab an der Universität von Kingston in Kanada den Prototypen eines flexiblen, auf OLED-Technik basierenden Smartphones getauft. Über dessen Display liegt ein zusätzliches Raster aus Mikrolinsen, das dreidimensionale Bilder erzeugen kann. Die Auflösung ist zwar noch etwas niedrig, aber das Motiv ist aus jeder Betrachtungsrichtung erkennbar.

Schon einen Schritt weiter ist die Entwicklung dreidimensionaler Projektionen, die über Augmented-Reality-Technik auf Smartphones zu sehen sind. Wo geht’s zum nächsten Museum? Wie heißt die Kirche um die Ecke? Fragen, die sich bald höchst anschaulich dreidimensional beantworten lassen. Dank neuartiger Tiefensensoren in den Displays vermessen Smartphones ihre Umgebung und erkennen zentimetergenau, wie weit die Wand, der Stuhl, der Boden vom Smartphone entfernt sind.

Virtuelle Schilder, Pfeile, Figuren lassen sich passgenau in die echte Welt einblenden. Das funktioniert auch innerhalb von Gebäuden: Im Supermarkt etwa kann das Smartphone den Weg zum Kühlregal auf den Boden projizieren – und die Sonderangebote gleich mit. Und zum Möbel-Shoppen halten wir demnächst nur noch das Handy hoch – und bestaunen über das Smartphone- Display das neue Sofa wirklichkeitsgetreu im vertrauten Wohnzimmer.

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